Freitag, 17. Februar 2012

schwiizertüütsch und mehr


Wie versprochen noch ein Wort zum Thema Schweizerdeutsch und warum Deutschschweizer wenn immer möglich und unmöglich beim Dialekt bleiben.


Weil wir in der Schule nicht hochdeutsch lernen und sprechen, sondern wie andernorts schon erwähnt schriftdeutsch, und weil sich dies in unseren eigenen Ohren nicht niedlich anhört, wie uns viele Deutsche immer wieder versichern - [mal ganz abgesehen davon: wir Schweizer wollen nicht niedlich sein, etwas Respekt, bitte! :)] sondern holperig und chlobig (=grob), fühlen wir uns unwohl damit. Am meisten, wenn wir mit Deutschen sprechen. Bei anderen Nationalitäten ist es uns weitgehend egal - die hören ja dieses Holperige nicht raus, finden uns auch nicht "niedlich"..... Und überhaupt - wir verstehen die ja auch, di Tüütsche,  wenn sie ihre Sprache sprechen - sollen sie unsere gefälligst auch verstehen ;).

Und da sind wir wieder im Vergleich mit Portugal. Dem Spanier geht es nämlich mit dem Portugiesischen ähnlich wie dem Deutschen mit dem Schwiizertüütsch. Er versteht so gut wie nichts davon. Der Portugiese lernt zwar in der Schule kein Castellano, versteht aber den Spanier trotzdem ziemlich gut,  wenn dieser einigermaßen langsam und deutlich redet. Es leuchtet ihm deshalb nicht ein, warum el Espanhol (ausgesprochen: schpaniol) nicht auch portugiesisch versteht. Mir schon. Die beiden Idiome sehen zwar geschrieben ziemlich ähnlich aus. Im Spanischen wird jedoch mehr oder weniger jeder Buchstabe ausgesprochen, im Portugiesischen nicht. Vergleichbar mit Französisch werden hier Lautgruppen zusammengezogen, ganze Silben werden stumm und Vokale  spricht man unterschiedlich aus, je nachdem, wo sie stehen. So ist zum Beispiel ein 'e' manchmal stumm, manchmal ein 'i', und manchmal ein 'e' wie bei uns. 

Eigentlich wollte ich euch nicht langweilen mit langen Ausführungen. Nur erklären, warum ein Portugiese ein ähnliches Verhältnis zur spanischen Sprache hat wie ein Schweizer zum Hochdeutschen. Man ist  einfach ein wenig eingeschüchtert vom großen Bruder, der so selbstbewusst in seiner eigenen Sprache drauflosredet, dass es  einem ab und zu vielleicht schon fast ein klein wenig herablassend vorkommt. So im Sinne von: "Na, was willst du denn, Kleiner?" Und der Kleine verhaspelt sich prompt...;) - und der Schweizer kehrt trotzig zum Dialekt zurück.

Ach ja - das passt zwar jetzt eigentlich nicht hierher, aber ich wollte noch erzählen, warum mich das Eszett so nervt: es existiert nicht auf  meiner portugiesischen Tastatur. Nein, nicht einmal als Sonderzeichen mit Fingergymnastik. Und in der Korrekturfunktion wird höchst selten das richtige Wort angeboten. Also muss ich jedes Eszett separat hineinkopieren. Das nervt. Ausserdem existiert dieser Buchstabe im schweizerischen Hochdeutsch gar nicht- sondern - dudenbescheinigt - nur  "ss". Und wir verstehen uns trotzdem. Aber weil mich die vielen Fehler, die das Korrekturprogramm anzeigt, genauso nerven, und weil ich nicht möchte, dass deutsche Leser denken, ich kann keine Orthographie, kopier ich eben weiter Eszetts in meine Texte...

Kommentare:

  1. naja aber es ist schon hart wenn man von schweizern zu hören bekommt, man sei "arrogant" und "besserwisserisch" nur weil die sprache sich so anhört.. das ist einfach unfair von dem sprachklang auf charaktereigenschaften zu schliessen.. geht das den spaniern mit den portugiesen auch ähnlich? :-( meine tochter wird regelrecht gemobbt als "arrogante tüütsche.." und ist doch eine ganz liebe.. lg - toller artikel!

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    1. "Da Espanha vêm mau vento e mau casamento" - das ist ein portugiesisches Sprichwort und bedeutet: Aus Spanien kommt schlechter Wind und schlechte Ehe... Aber im Grunde haben doch sowohl die meisten Portugiesen wie auch Schweizer ihre Nachbarn bewundernd gern - halt wie den großen Bruder, der immer schon alles viel besser kann....

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  2. und nein, ich verstehe das schwiizertüütsch auch nach knapp 4 jahren oft noch nicht.. ich habe einen wichtigen kunden, den ich deshalb beinahe meide, echt schade, meine ohren kriegen aber jedesmal dicke knoten wenn er in dialekt loslegt.. :) und ich verstehe wirklich nur die hälfte, nachfragen habe ich aufgegeben und gehe damit das risiko ein, wichtige details eben nicht aufzunehmen. lg iris

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  3. Mich interessiert: Warum schreibst du Schwiizertüütsch und nicht Schwiizerdütsch ("dütsch" wie "deutsch")?

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    1. Da es keine verbindlichen Rechtschreiberegeln gibt, schreibt jeder genau so, wie er es hört resp. ausspricht. Das kann variieren: es gibt fast so viele Dialekte, "Unterdialekte" und Mischdialekte wie Schweizer...

      In meinem Dialekt (Aargauer) spricht man eben ein starkes, trockenes 't' und ein langes 'üü' oder 'üh'. :)

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  4. Das "ß" kannst du ruhig vergessen, das schreiben auch viele Deutsche konsequent als "ss". Chancen stehen gut, dass es sowieso irgendwann einmal aussterben wird.

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    1. Ich hatte eigentlich gedacht, dass es der letzten - oder vorletzten - Rechtschreibereform zum Opfer fiele..

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