Samstag, 3. März 2012

Der Sonne und die Mond

Im schweizerischen «Frauenblog» ('für Macherinnen und Macher') bin ich auf verschiedene Beiträge zum "geschlechtergerechten Schreiben" gestoßen. Offenbar ist das in meiner Heimat ein Thema, das u.a. auch Hochschulen, Kommissionen und sonstige Gremien beschäftigt.

Viele Frauen - und nicht nur Feministinnen - regen sich zum Teil zu Recht über die maskulin-lastige Sprache auf. Doch wenn es z.B. um das Wörtchen "man" geht, dem "frau" gerne  "frau" beigesellen möchte, mache ich nicht mehr mit. Denn dieses Wort "man" hat mit dem Wort "Mann" genauso viel zu tun wie z.B.  "das" mit "dass". Nämlich nichts.

Ich habe mich dort ein wenig an der Diskussion beteiligt. Mir wurde - natürlich - heftig widersprochen, mit dem Argument, dass sowohl Männer als auch Frauen beim Wort "man" automatisch an "Mann" denken würden. (Da bin ich wohl die große Ausnahme). Dann wurden andere Beispiele angeführt wie  "Gott schuf den Menschen und gab ihm eine Frau" oder "alle Menschen werden Brüder".

Solche Gebilde kommen ja meistens aus Übersetzungen von lateinischen Sprachen, in denen das Wort für "Mensch" gleichzeitig das Wort für "Mann" ist. Und "Brüder" auch das Wort für "Geschwister" usw. Wären diese Sätze korrekt übersetzt, hießen sie: "Gott schuf den Mann und gab ihm eine Frau" und "alle Menschen werden Geschwister". (Warum kommt eigentlich niemand auf die Idee, Menschinnen zu fordern? Hier wird das grammatikalische Geschlecht erstaunlicherweise widerspruchslos akzeptiert).

Seltsam auch, dass sich hier in Portugal (wie ist das wohl in Spanien? Italien? Frankreich?) kaum Widerstand gegen diese 'männliche' Sprache regt, ich jedenfalls habe noch nie etwas davon mitbekommen, und ich lebe hier seit bald 20 Jahren. Außer dass die neue Präsidentin von Brasilien aus dem geschlechtsneutralen Wort "presidente" plötzlich trotzig eine "presidenta" macht. Falsch  - denn dann müsste es auch einen "presidento" geben...

Na ja, meiner Meinung nach sind das Sprachphänomene, die man (frau ;) ) nicht einfach so abändern kann. Sonst kommen nächstens die Kinder und beschweren sich, dass sie sächlich sind. Und der Mond - in der Mystik das weibliche Prinzip, möchte  viel lieber weiblich sein und die Sonne natürlich männlich (wie übrigens  in allen lateinischen Sprachen). Und die Männer könnten anfangen, sich über  Pluralartikel und -Pronomen aufzuregen, die ja aus der weiblichen Einzahl stammen: die, ihr.....

Liebe Leserinnen und Leser, was halten Sie (Sie? Ist doch auch ursprünglich auch weiblich, oder nicht? Denkt man da nicht auch automatisch an eine "sie"? wie bei "man" an "Mann"?....) von diesen Bemühungen, die Sprache "geschlechtergerechter" zu machen?

Neuer Artikel zum gleichen Thema: "Vielen Dank, Herr erweiterte Senatorin..."

Kommentare:

  1. Dann gehöre ich wohl auch zur großen Ausnahme ;)

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  2. Mir persönlich ist das sowas von egal. Ich finde es im Gegenteil eher nervig, wenn jetzt hier in Deutschland immer dieses -Innen- angehängt wird.
    Liebe Mitglieder und Mitgliederinnen ist z.B. völlig sinnlos, da das Mitglied ja nicht einmal männlich ist.Man stelle sich eine Fimenbezeichnung vor :

    Krause und PartnerInnen

    Aber ich könnte fast wetten, dass darauf auch noch irgendeiner kommt wegen der Gleichberechtigung.

    Ellen

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  3. Mir würde auch weiterhin die männliche Form reichen, ich fühle mich dadurch keineswegs diskriminiert. Stattdessen stören mich die ellenlangen Sätze mit Kollegen und Kolleginnen, Schülern und Schülerinnen, Lehrern und Lehrerinnen usw.
    Conni

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  4. Sehe ich auch so. Übrigens sind Männer ja auch Personen (grammatikalisch weiblich).

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  5. Ich denke, in der Wirklichkeit des Spechens denkt kein Sprecher tatsächlich in Geschlechtskategorien, sondern vollzieht gewohnheitsmäßig die ihm geläufigen Strukturen.
    Wäre es anders, würde folgender Witz nicht funktionieren:

    Sagt der Türke: "Ihr Deutschen solltet euch besser nichts auf die Logik des Deutschen einbilden. Der Mann,geht in Ordnung.Die Frau, alles klar. Das Mädchen? Na das weiss ich aber besser!"

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  6. Ich gehöre dann wohl auch zu der Ausnahme. Mich stören diese ganzen künstlichen Konstruktionen um DAS Männliche und DAS Weibliche im Lesefluss.

    Man könnte auch mal wieder auf das oft vergessene substantivierte Partizip Präsens zurückgreifen: Lesende, Lernende, Gehende etc. Dieses macht nämlich keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.

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  7. Ich halte dieses "Innen" auch für ziemlich dämlich. Gerechtigkeit sollte praktiziert werden, aber ohne die Sprache zu vergewaltigen. Allein dieses unsägliche "frau" statt "man". Haben wir keine anderen Sorgen?

    "Und der Mond - in der Mystik das weibliche Prinzip, möchte viel lieber weiblich sein und die Sonne natürlich männlich (wie übrigens in allen lateinischen Sprachen). "

    Im Arabischen ist es genau umgekehrt.

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  8. "Die selbstbewusste Frau verwischt nicht den Unterschied zwischen Mann und Frau- sie betont ihn!" Coco Chanel: )
    Die feministische Bewegung hat sicherlich vieles erreicht aber irgendwann kann man sich auch in der eigenen meinung verlieren siehe alice schwarzer die nur noch redet um zu reden. Und diese grammatikalische kiste ist genau das gleiche. Irgendwann verfällt man einen wahn...es gibt viel wichtigeres wo zu fördern ist. Wo Frauen nicht gleichberechtigt werden wie zb. ein mann für die gleiche arbeit einen höheren lohn erhält. DAS ist ungerecht

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  9. Hihi, und "Mensch" kommt von dem Wörtchen "männisch" dessen Wurzel kaum zu übersehen ist....

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    1. Na toll. Dabei wollte doch schon jemand "jemand" ent-man-en und "jemenschd" daraus machen... :)

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  10. "Außer dass die neue Präsidentin von Brasilien aus dem geschlechtsneutralen Wort "presidente" plötzlich trotzig eine "presidenta" macht. Falsch - denn dann müsste es auch einen "presidento" geben..."
    Selber falsch. Es heißt ja "el" presidente, ist also eine männliche Form. Demgegenüber hat sie "la" presidenta gestellt.

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  11. Stimmt nicht. Erstens heißt "der" in der Sprache, von der wir sprechen, nämlich Portugiesisch "o" und nicht "el" (das ist Spanisch). Zweitens sind personenbezogene Nomen mit der Endung "e" meist doppelgeschlechtig - so heißt es eben auch "a presidente" (die Presidentin). Wie auch "o infante / a infante" (der/die Prinz/essin), o gerente / a gerente (der /die Geschäftsführer/in) usw.
    Interessant ist, dass es auch doppelgeschlechtige Nomen gibt, die auf den "weiblichen Vokal" enden, z.b. alle ...ista-Wörter: o comunista, a comunista, o recepcionista / a recepcionista. (in P übrigens als "...ischta" ausgesprochen.

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  12. Tja, die besten Stilblüten schreibt dann wohl doch das (deutsche) Leben ;)
    Wem dies Thema Spaß macht, dem empfehle ich das Buch Die Töchter Egalias, übrigens nicht nur für Frauen amüsant. Dort liest man übrigens nicht frau, sondern dam, wenn dam man lesen sollte ;)

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