Donnerstag, 5. April 2012

burocracia

Diesmal eine etwas längere Geschichte. Über bürokratische Unannehmlichkeiten. Die dauern halt immer etwas länger. Ich hoffe, euch nicht zu langweilen:

Nach der Geburt unseres ersten Sohnes, zu dessen Registrierung wir uns in die portugiesische Botschaft zu Bern begeben mussten (das Konsulat in Zürich, wo ich seinerzeit mit meinem frisch angetrauten lusitanischen Ehemann die Papiere unterschrieb, war inzwischen geschlossen worden), fand ich, es sei an der Zeit und ginge im Gleichen zu (wieder mal ein Schweizer Ausdruck ;) ), einen portugiesischen Pass für mich selbst zu beantragen. Nicht zuletzt ein wenig aus Trotz gegen den hartnäckigen Widerstand der Schweiz gegen die EU. Der Pass wurde mir auf der Stelle ohne weitere Formalitäten ausgestellt.


Etwa 12 Jahre später beschlossen wir, nach Portugal "zurückzukehren". Ich wollte deshalb meinen Pass - nie gebraucht - erneuern, im neu eröffneten modernen portugiesischen Konsulat in Zürich.

Ich bräuchte dazu eine Identitätskarte (Personalausweis), wurde mir gesagt. Zu diesem Zwecke musste ich vom Zentralregisteramt in Lissabon eine Geburtsurkunde kommen lassen. Ich bat meine Schwägerin in Lissabon, dies für mich zu veranlassen.

Dabei kam heraus, dass ich dort gar nicht als Portugiesin in den Archiven figurierte. Nur als Ehefrau meines Mannes. Offenbar hatte das damalige portugiesische Konsulat in Zürich Unterlagen verschlampt. 

Der erste Pass war mir demnach - wie mir der portugiesische Botschafter auf Anfrage mitteilte - fälschlicherweise ausgestellt worden...!!!! Und ich hatte deshalb kein Anrecht auf einen neuen. Das heißt, Anrecht hatte ich schon - aber eben nicht auf den Pass resp. die Identitätskarte, sondern auf die portugiesische Staatsbürgerschaft, und zwar ab Datum der standesamtlichen Vermählung.

Ich kürze ab. Es dauerte 2 Jahre, viele Briefe, Formulare, Telefonate, Faxe, endlose Wartezeiten auf Ämtern und vor allem Nerven, bis mir die portugiesische Nationalität rückwirkend ab Heirat bestätigt wurde. Und ich die nötigen Papiere kriegte, wenige Tage bevor ich, als Ausländerin, eine Importsteuer von 18'000 Franken für ein altes Auto mit Neupreis 28'000 Franken hätte bezahlen müssen...

Ach ja  - im Zuge der Nationalisierung kam mir mein Familienname abhanden. Also in der Schweiz hieß ich ab Heirat mit Nachnamen I. (der Familienname meines Mannes) geborene B. Also eigentlich nur I. Versehentlich wurde nun der Name "vergessen" und ich heiße wieder "B", ganz ohne "I". Na ja - so lebte ich halt 18 Jahre in der Schweiz mit ausländischem Namen und jetzt hier wiederum seit 19 Jahren auch mit ausländischem Namen.  Gschäch nüt Schlimmers (schweiz.: es geschehe nichts Schlimmeres ;)) War nur einmal problematisch: als ich den Schweizerischen Führerschein in einen portugiesischen umwandeln wollte, musste ich beweisen, dass C.I identisch ist mit C.B - indem wildfremde Geschäftsleute in einem Ort, wo ich niemanden kenne, mit ihrem Stempel bestätigten, dass ich ich bin. 

Obwohl es mich ein wenig stört, dass meine Söhne einen anderen Familiennamen haben als ich selber, hatte ich bisher keine Lust, eine Namensänderung zu beantragen. Ihr versteht die Gründe: das würde ja nur ein neues bürokratisches Tohuwabohu auslösen - bis alle Papiere wieder angepasst sind. Neh, lieber nicht! Komischerweise musste übrigens meine Steuernummer, die immer noch auf C.I. lautet (weil das natürlich das allererste Dokument ist, das ein Einreisender beantragen muss) nie geändert werden - offenbar ist denen gleich, unter welchem Namen ich meine Steuern bezahle.

Da drängt sich doch gleich ein Hinweis auf ein Buch unseres Nobelpreisträgers José Saramago auf: "Todos os Nomes", "Alle Namen" (mit Klick zur Rezension). Ich hoffe, die deutsche Übersetzung ist besser als die meiner ersten Annäherung an diesen Schriftsteller. Aber wie ich lernte, Saramago zu lieben, erzähle ich lieber ein andermal.

Kommentare:

  1. haha gelacht, aber nicht aus Schadenfreude, nein, weil dies Geschichte auch hier in Italien haette abspielen koennen:-). Ich glaube in den suedlandischen Nationen (natuerlich auch in deren Botschaften, Konsulaten ect.im Ausland) passieren solche Dinge - ich persoenlich sage immmer, dass man hier das Wort "Organisation" im ital. Woerterbuch nicht findet, deshalb weiss auchniemand, was es bedeutet:-)

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    1. Wobei - ich glaube durchaus, dass auch in nördlichen Gefilden der Amtsschimmel dann und wann durchgeht ;). Oder die Organisation in Überorganisation entartet.

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  2. Liebe Cecebe,
    und ich dacahte, Deutschland sei das Land der Superbürokraten.
    Wenn es nicht so trautig wäre, könnte man sich totlachen.
    Haptsache, du existierst dort überhaupt.
    Liebe Abendgrüße schickt dir
    Irmi

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  3. Hallo Pausenbloggi

    Ich habe es insgesamt auch sehr spannend erlebt. Solange wir in dier Schweiz gelebt haben, hiess meine Frau so, wie sie ledig hiess. Natürlich auch in den Heiratspapieren und auf dem Zivilstandsamt. Sie hiess so, weil sie in Ihrem Pass so hiess. Wir lebten insgesamt fast 6 Jahre in der Schweiz.
    Nachdem wir schon seit ein paar Jahren, hier in Sri Lanka,im Heimatland meiner Frau leben, haben wir dann an unserem 10 jährigen Jubiläum, endlich die Einbürgerung in der Schweiz in Angriff genommen.
    Das ganze Procedere, mit dem vereinfachten Einbürgerungsverfahren, ging just 1 1/2 Jahre.
    So konnte meine Frau dann auf der Schweizer Botschaft Ihre Urkunde in Empfang nehmen. Sie war nun Schweizerbürgerin, wie ich und unsere gemeinsame Tochter.
    .... nur .... Jetzt musste sie sich in Ihrem Heimatland wieder einkaufen, was wir natürlich gemacht haben. Im selben Moment wurde auch grad unsere Tochter Sri Lankische Bürgerin.
    Die ganze Uebung hat 2500$ gekostet, währen in der Schweiz nur 700 fällig waren.
    Nun sind die beiden Damen Doppelbürger und ich nicht.

    Ich wurde auf dem Amt hier in Sri lanka gefragt, warum ich die sri lankische Staatsbürgerschaft nicht wolle, ich könnte doch Land Taxfree kaufen und ich würde auch auf der Bank mehr Zinsen bekommen.

    Ich habe dankend abgelehnt und gesagt, ich könne das Geld ja auch aufs Konto meiner Frau legen, dann hätten wir auch sri lankische Zinsen. Land hätten wir überigens genug und bräuchten keins mehr.

    Sorry ... wen ich denen nur gut genug bin, wenn ich auch SL Bürger bin, dann kann ich ja wieder gehen.

    Es ist also überall nicht gerade einfach .... auf dem Amt mein ich.

    Gruss in die Welt und speziell nach Portugal.

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